Einleitung
Debian-basierte Live Distributionen schiessen ja wie Pilze aus dem Boden. Während zur CeBIT noch die Version 3.8 von Knoppix veröffentlicht wurde, existieren nun schon wieder Derivate davon. Aber demnächst dazu mehr.
Doch in diesem Artikel geht es jetzt um eine Distribution, die mit einem zugegebenermassen etwas seltsamen Namen daher kommt: Kubuntu. Als Unter-Projekt von ‘Ubuntu’, jedoch mit dem neuesten KDE ausgestattet, will diese Distribution sich vor allem an Enduser wenden. Zum Testen gibt es eine Live-CD (619 MB ISO). Der Name ‘Ubuntu’ wird auf deren Homepage folgendermassen erleutert:
“Ubuntu” is an ancient African word, meaning “humanity to others”. Ubuntu also means “I am what I am because of who we all are”. The Ubuntu Linux distribution brings the spirit of Ubuntu to the software world.
Für User die dieses OS gleicht fest installieren wollen, gibt es eine Installations-CD deren ISO-Datei mit 572 MB zu Buche schlägt.
Ich gehe hier mal nicht näher auf die Live-CD ein, sondern wähle natürlich die Platten-Installation…;-)
Installation
Nach dem Booten von der Kubuntu-CD wählt man zunächst aus, ob man ein Basis-System (server) oder ein voll-ausgestattetes Desktop-System möchte. Wider Erwarten begrüßt einen nach dem Booten kein grafischer Installer, sondern eine ASCII-Oberfläche, die auf dem Debian-Installer zu basieren scheint.
Nach dem Auswählen von Sprache, Zeitzone usw. (passiert alles ziemlich automatisch), sowie der Partitionierung, welche relativ komfortabel vorgenommen werden kann, wird das Basissystem installiert.
Man hat hier leider noch keine Paketauswahl-Möglichkeit.
Nach der (vollautomatischen) Hardware-Konfiguration und dem Entpacken und Einrichten der Pakete, wird man noch darauf hingewiesen, dass einige Pakete evtl. nicht in der Landessprache verfügbar sind, und ob man diese Lokalisationen herunterladen möchte. Dies bejahe ich natürlich. Ca. 50 MB werden zum Downloden benötigt. Sofern die Netzwerkhardware erkannt wurde (dürfte eigentlich immer der Fall sein), und ein DHCP-Server verfügbar ist (Server, Router, ICS o.ä.) braucht man auch bei der Netzwerkkonfiguration keine einzige Aktion zu machen.
Danach werden die Sprach-Pakete automatisch heruntergeladen und installiert.
Bootloader-Optionen
Hierbei war ich echt überrascht. Das Setup hat meine anderen Linuxe alle erkannt und bietet mir eine Liste derselben an. Ok, die Namen konnte er nicht korrekt übernehmen, aber dazu hätte er ja in die grub bzw. lilo Konfig-Dateien der jeweiligen Distros reinkucken müssen. Das wär schon etwas viel verlangt. Bisher musste ich aber bei jeder von mir installierten Linux Distribution den Bootloader in die Boot-Partition installieren, und danach den Bootloader im MBR anpassen.
Hier bot sich es natürlich an, die MBR Auswahl zu übernehmen. Nach dem Neustart bekam ich dann auch einen (bis auf die Titel) perfekten Bootloader (Textmodus) mit all meinen Betriebssystem präsentiert.
Ich lies den default-Eintrag (natürlich Kubuntu) booten.
Grafische Oberfläche
An dieser Stelle muss ich sagen dass ich jetzt wieder überrascht war.
Denn die automatisch gestartete grafische Oberfläche (KDM) präsentierte sich mir in einer äussersten hohen Auflösung. Sonst waren es immer 1024×768 oder so. Aber mal sehen, was sich nachher alles einstellen lässt…
Login
Das Login-Fenster entspricht keinem einzigem KDM-Style, dass ich bisher gesehen hatte. Gut, es handelt sich ja schon um KDE 3.4, aber hier scheinen die Ubuntu-Entwickler auch optisch einiges geleistet zu haben. Sehr angenehm.
So, natürlich versuche ich gleich, mich als root einzuloggen. Da file mir ein, dass ich gar kein root-Passwort hatte. Hmm… mal ein paar ausprobiert… nix!
Ok, meld ich mich als normaler User an. Der KDE-Greeter sieht auch sehr schön aus, mal komplett anders als die üblichen Standard-Greeter.
KDE
Die KDE 3.4 - Oberfläche, mit voreingestellten Custom-Hintergrundbild, wirkt sehr dezent und nicht verschnörkselt.
Das KDE-Menu wirkt geradezu minimlistisch, mit sauber aufgeräumten Anwendungen in wohl benannten Kategorien. Mir scheint, die GUI-Designer haben endlich begriffen, dass ein Programm-Symbol einen vernünftigen Namen bzw. Beschreibung benötigt. Im diesem Falle sieht man den Programm-Namen (z.B. ‘KSnapshot’ und dahinter die Beschreibung ‘Bildschirmphotos’).
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X-Server (Xorg)
Meine NViDIA-Grafikkarte wurde wie erwartet korrekt erkannt. Wobei mir die Bildschirm-Auflösung von 1856×1392 mit 60Hz nicht so gut gefile *g*. Deshalb startete ich das KDE-Kontrollzentrum und wurde jetz schon wieder überrascht: Unter ‘Angeschlossene Geräte->Anzeige’ sah ich zwar nicht, welcher Grafikkartentreiber verwendet wird, dafür bekam ich aber so ziemlich jede Auflösung präsentiert, die man sich vorstellen kann. Allerdings beschränkte sich die Bildwiederholfrequenz auf max. 75Hz, was zwar unschön ist, aber die Entwickler haben hier wohl die Gefahr des plötzlichen Ablebens von Röhrenmonitoren im Blick gehabt…;-)
Natürlich ist es möglich, dies per händischem Eingriff in die X-Konfiguration zu beheben. Aber gut, ich bin ja noch nichtmal root *g*.
Root
ACHTUNG: Was ich hier mache, ist nur etwas für fortgeschrittene Linux-User , die wissen was sie tun! Als root kannst Du mit ner GUI alles löschen oder verändern, auch Systemdateien. Da ist schnell mal kein Booten mehr möglich o.ä. und dann ist das Geheule groß von wegen Linux ist sch…. usw ;-))
Um root-Rechte zu bekommen, starte ich erstmal ein Konsolen-Fenster. Dann gebe ich ein: ’sudo su’, ’su -’, ‘passwd root’ und mein neues Passwort. Dies ist möglich, weil der vom setup erstellte User su Rechte bekommt. Das heisst, er kann bei Bedarf per ’su’ kurzfristig root-Rechte erhalten. Dies macht man, um zu Verhindern dass der User per Default Root ist und sich somit leicht sein System zerschiessen kann. Falls er weiss, was er tut, kann er sich root-Rechte verschaffen.
Ansonsten kann der Linux-User mittlerweile eigentlich recht vernünftig auch ohne root-Rechte arbeiten.
Man sieht in dieser Distribution, dass dies ohne weiteres möglich ist.
Deshalb haben die Entwickler auch den root-Login im grafischen Login-Manager nicht erlaubt.
Dies wirkt vielleicht am Anfang etwas befremdlich für jemanden wie mich, der ja weiss was er tut *g*.
Aber gut. Ich habe also wie weiter oben beschrieben mein root-Passwort geändert. Nun starte ich das System neu, und melde wähle im Login-Manager rechts unten bei ‘Menu’ den Punkt ‘console login’.
Dadurch wird die GUI beendet, und ich bekomme eine normale Login-Shell. Hier kann ich mich jetzt als root mit meinem neuen Passwort einloggen. Danach sehe ich als erstes unter ‘/etc/inittab’ nach, welcher Runlevel als default eingestellt ist. ‘2′ ist eingetragen. Jetzt bin ich wieder überracht. ‘5′ hätte ich hier erwartet, was eigentlich Standard ist, wenn die GUI automatisch gestartet werden soll. Hmm…
Runlevel 2 ist normalerweise Text-Konsole ohne Netzwerk, 3 ist mit Netzwerk. Also trage ich ‘3′ ein.
Jetzt gebe ich ’startx’ ein, und KDE startet unter meinem root-Login
Software
Die Programm-Auswahl ist nicht übetrieben groß, aber ausreichend für Standard Aufgaben.
Bei einer Debian-basierten Distribution ist es ja normalerweise üblich, dass mein die Datei ‘/etc/apt/sources.list’ anpassen muss, um per ‘apt-get’ Software installieren zu können. Üblicherweise installiert man dann erstmal das Programm ‘Synaptic’ um eine GUI-Paketverwaltung zu bekommen, wobei Synaptic meist schon vorinstalliert ist. Im Falle von Kubuntu ist sogar ‘Kynaptic’ vorinstalliert, eine KDE-Version von Synaptic. Und zu meiner Freude sind sogar schon die Paket-Listen vorkonfiguriert und eingelesen. Sehr schön. Ein großes Lob an die Ubuntu Entwickler!
Hier kann man jetzt als nach Herzenslust Programm wie ‘Gimp’, ‘xmms’, oder Server-Dienste wie ‘apache’, ‘mysql’ usw. installieren.
Somit ist man hier nicht beschränkt auf die Pakete die auf der CD-vorhanden sind.
Die Debian Paketverwaltung ist eine der besten, da die automatische Auflösung von Abhängigkeiten hervorragend gelöst ist. Besser ist nur noch die von Gentoo, aber die ist Source-basierend, was bedeutet dass man sehr viel selbst kompilieren muss. Und grade das Kompilieren hält viele User davon ab, sich ernsthaft auf Linux einzulassen.
Netzwerk / Samba
Postitiv erwähnen muss ich unbedingt noch, dass die Samba-Konfiguration hier hevorragend ist.
In der KDE-Leiste befindet sich unter ‘System’ ein Link auf ‘Network Places’. Man bekommt ein Konqueror-Fenster, in dem man Windows Freigaben durchsuchen kann. Dies ist einige der wenigen Distributionen, bei der dies sofort, ohne jeden Konfigurations-Eingriff funktioniert hat!

Fazit
Bei Kubuntu Linux bekommt man eine Linux-Distribution, die einfach zu installieren und komfortabel bedienbar ist, und sich auf dem aktuellen Stand der Software befindet.
Und: es Funktioniert!
Die ‘technischen Daten’:
- Distributions-Name: Kubuntu 5.04
- Kernel: 2.6.10
- KDE: 3.4.0
- gcc: 3.3
- OpenOffice: 1.1.3
- Bootloader: grub
- Paketverwaltung: Debian (.deb), unstable, testing
- Grafische Paketverwaltung: Synaptic, Kynaptic
Links:
Kubuntu Linux bei Distrowatch
Kubuntu Homepage
Ubuntu Linux
Chriss - 08.11.2006 - 00:38:58
Woah, geiles Farbspiel