Nachdem ich nun einige Zeit recherchiert hatte, endete ich dann, wie schon angedeutet, bei einer Creative Karte.
Die Audigy2-Serie bietet den bestmöglichen Klang für’s Geld. Soviel steht fest.
Ich habe mich dann doch nicht für die Audigy2 Platinum entschieden, da ich eigentlich keine externe Box möchte, die wieder eine eigene Stromversorgung benötigt. Ausserdem besitzt diese Box zwar Chinch-Eingänge, aber die Ausgänge müssen auch hier von den Miniklinken der Soundkarte abgegriffen werden.
Deshalb ist es eine Audigy2 Value geworden. Die Karte an sich unterscheidet sich von der Vollversion lediglich durch das Fehlen des Firewire-Interface und der vergoldeten Buchsen. Der Soundchip ist derselbe.
Um die digitalen Anschlüsse (koaxial und optisch) zu bekommen, habe ich mir die Digital I/O Erweiterung bestellt, die leider mit 39,- € zu Buche schlug.
Die Karte wird unter Linux (Ubuntu) sofort problemlos erkannt und eingebunden.
Im ALSA-Mixer findet man dann einige Controls, die anfangs etwas verwirren.
Die Logik ist eine etwas andere, als bei den meisten anderen Soundkarten.
- der Master-Regler z.B. kennt kein Links und Rechts. Sprich, er ist vom Control her Mono ausgeführt.
Daher musste ich mein Skript für die Lautstärkereglung per Fernbedienung umschreiben.
- der Digital-Eingang (IEC958) ist regelbar. Bisher kannte ich das nicht, üblich ist sonst lediglich ‘Mute’ und ‘Unmute’
Einerseits ist das praktisch, andererseits fragt man sich wie das technisch gelöst wurde. Ein digitales Signal kann normalerweise nicht vom Level her verändert werden. Also muss es durch eine Konvertierung laufen.
- das Front-Signal lässt sich leider nicht hardwareseitig auf die Rear-Speaker duplizieren, die Funktion ‘duplicate front’ ist nicht im ALSA-Mixer zu finden.
- der Level des Digital-Ausgang ist fest mit dem globalen Ausgangssignal ‘verdrahtet’. Der Pegel ist also nicht fix, sondern entspricht dem des analogen Ausgangs-Level.
Das ist allerdings ein Problem. Im Normalfall schliesst man z.B. ein Surround-System oder einen Digital-Verstärker per Digitalausgang an. Diese Geräte haben aber eh alle eine eigene Lautstärkeregelung. Wozu als den Ausgang der Karte regeln. Das macht es z.B. nahezu unmöglich, einerseits über analoge Verbindung Aktivlautsprecher anzuschliessen und parallel dazu am Digitalausgang z.B. ein Surround-System.
Analoges und digitales Ausgangssignal lassen sich einfach nicht unabhängig regeln. Und das macht den Digitalausgang quasi nutzlos. Es sei denn, man verwendet ihn ausschließlich.
Dasselbe Problem dürfte auch bei der externen Box der Platinum Version existieren.
Da ich aber unabhängige Digital- und Analog-Ausgänge benötige, habe ich noch zusätzlich eine Terratec Karte eingebaut.
Dafür habe ich dann über die Datei .asoundrc ein virtuelles ALSA PCM-Interface erstellt, welches das Wave-Signal auf die zweite Karte dupliziert. Das funktioniert sogar ohne Zeitversatz, wie es bei einer einzelnen Soundkarte der Fall wäre.
So sieht nun übrigens die ‘Verschaltung’ des Ganzen hier aus:
Im Nachhinein denke ich mir schon, warum habe ich mir nicht irgend so ein semi-professionelles Interface mit Chinch-Anschlüssen geholt? Nunja, dann hätte ich aber wieder keinen Hardware-Mixer (ALSA) zur Verfügung, und müsste mit ‘Sound-Daemons’ arbeiten.
Fazit: die SoundBlaster Audigy2 ist die günstigste und klanglich beste Möglichkeit, den Linux-PC ressourcen-schonend zum MediaCenter zu machen. Allerdings ist der Digital-Ausgang nur eingeschränkt nutzbar, ohne die Digital I/O Erweiterung hat man nur die Möglichkeit ein Boxensystem von Creative digital anzuschliessen.
Wer sich für die Platinum-Version mit externer Box entscheidet, erhält zusätzlich etliche Eingänge, einen regelbaren Kopfhörer-Ausgang, S/PDIF und Firewire-Schnittstellen. Allerdings hat man dann auch wieder einen weiteren Stromverbraucher auf dem Tisch stehen.